Mehrsprachigkeit und sprachliche Bildung - Potentiale migrationsbedingt mehrsprachiger Lehkräfte für sprachliche Heterogenität als Normalitärsvorstellung in Bildungskontexten

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Type of projectOwn resources project
Duration at the University of Münster01/11/2014 - 30/12/2018

Description

Forschungsfrage Das Habilitationsprojekt widmet sich Möglichkeiten einer mehrsprachigen Unterrichts- und Schulentwicklung. Empirische Daten und der normativ-theoretische Diskurs in der Erziehungswissenschaft fordern einen Paradogmenwechsel im monolingualen Bildungsansatz (Fürstenau 2012, Gogolin 2010). Aktuelle Studien widmen sich möglichen Transformationsprozessen auf Ebene des Unterrichts (Oomen-Welke 2015) und als Teil der gesamten Schulentwicklung. Obwohl Modellprojekte sehr gute Ergebnisse vorweisen, sind die Schulen weiterhin von monolingualen Einstellungen geprägt (Neumann 2009). Eine bedeutende Rolle nehmen hierbei Lehrkräften ein, die in der Schulpraxis die bestehenden Regeln des sprachlichen Marktes reproduzieren (Fürstenau 2015). An dieser Stelle setzt der bildungspolitische Apell nach Lehrkräften mit Zuwanderungsgeschichte an (Merkel 2015, Akabal et al. 2013). Es bleibt jedoch offen, welche Potentiale sie für die mehrsprachige Unterrichts- und Schulentwicklung mitbringen. Ziel der Studie ist es, ausgehend von verschiedenen Typen von Mehrsprachigkeit die jeweiligen Potentiale differenziert nach sprachlichen Ressourcen, Haltungen sowie Professionalität zu betrachten und für die Praxis nutzbar zu machen. In sprachbiographischen Interviews wird die Herausbildung ihres Selbst- und Fremdbildes von Mehrsprachigkeit im Laufe des Lebens und in der eigenen Unterrichtspraxis rekonstruiert. Zielgruppe Untersuchungen zu Mehrsprachigkeit und Bildungserfolg stützen sich oft auf den Vergleich verschiedener Migrantengruppen: „Türken", „Russen" oder „Vietnamesen". Mit dieser Perspektive wird die Ursache für den Bildungs(miss)erfolg auf die Zugewanderten und die mitgebrachten Ressourcen verlagert. Das vorliegende Forschungsprojekt geht von der Prömisse aus, dass nicht das mangelnde Kapital der Zugewanderten die Ursache für den Misserfolg ist, sondern die mangelnde Fähigkeit des Schulsystems, den mehrsprachigen Voraussetzungen gerecht zu werden und so eine gleichberechtigte Teilhabe zu ermöglichen. Im Fokus steht daher nicht eine Migrantengruppe, sondern die bildungspolitischen Rahmenbedingungen. Ein besonderes Interesse stellt hierbei Israel dar: Als Reaktion auf starke Immigration postsowjetischer Juden zwischen 1989 und 1995 führte das Ministerium für Bildung eine Reihe von Reformen zu ‚Multilingulism as Concept of Education‘ ein. Datenerhebung Zwanzig Jahre nach Beginn der Reformprozesse soll eine erste explorative Studie die Wahrnehmung von Mehrsprachigkeit bei russisch-hebräischsprachigen Lehrkräften analysieren. 2015 wurden in einer Feldstudie Interviews mit 18 Lehrkräften durchgeführt. Vier dieser Lehrkräfte immigrierten im erwachsenen Alter und wurden unmittelbar im israelischen Schulsystem eingestellt. Ihre Sprachbiographien erlauben Rückschlüsse auf die wahrgenommenen Veränderungen während der 25-jährigen Tätigkeit. Acht der Interviewten wurden zu Beginn der 1990er Jahre eingeschult und erlebten den sprachlichen Markt der Schule vor dem Wandel. Die letzte Gruppe bestand aus sechs Lehrkräften, die erst in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre eingeschult wurden, nachdem die bildungspolitischen Veränderungen stattgefunden hatten. Datenauswertung Thema Mehrsprachigkeit und Bildung kann nur interdisziplinär verstanden werden: Neben der Mikroebene des individuellen Sprachenerwerbs, sind hier Analysen auf der Mesoebene der Schule bis hin zu politischen Rahmenbedingungen auf der Makroebene notwendig. Die vorliegende Studie bietet eine mehrperspektivische Untersuchung des Gegenstandes unter Einbezug soziologischer, soziolinguistischer und erziehungswissenschaftlicher Ansätze und ermöglicht eine erste Annäherung an Potentiale mehrsprachig aufgewachsener Lehrkräfte für das Bildungssystem.

KeywordsMehrsprachigkeit; sprachliche Bildung; Sprachbiographien; Migration

Project management at the University of Münster

Putjata, Galina
Institute of Educational Sciences (IfE)